-DJ- does Openair

Es gibt zwei Dinge von denen ich nichts wissen
will:
1) Ganz viele Dinge
2) Events an denen man wie ein Brathähnchen
im eigenen Saft schmort und bei denen die Highlights in Form einer Wasserfront
aus England mit 5° Celsius auf einen niederprasselt.
Das Erste ist
allgemein bekannt, das Zweite, richtig, sind Openair Events.
Trotzdem kam
es eines Donnerstags so, dass ich mit einer berühmt berüchtigten schweizer
berüchtigten Berühmtheit am mailen war und angeboten bekam, doch ans Openair in
Frauenfeld zu kommen. Toll, dachte ich, sturzbetrunken im Delirium mit xtausend
anderen rumgröhlen und sich wie Idioten aufführen, muss das sein? Nicht
unbedingt, also beschloss ich statt an einen Fussball Match, doch ans Openair zu
gehen.
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Ein Zelt nach meinem Geschmack.
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Da die besagte Berühmtheit, Griot, gleich zwei
Tickets rüberwachsen liess, fragte ich noch meinen Bruder, ob er mich auf meiner
inquisitiven Journalistenreise begleiten möchte. Augenblicklich das Potential
mich in die Scheisse zu reiten erkennend, sagte er sofort zu. Womit wir bei der
nächsten Frage waren: Unterkunft. Während ich bereits nachdachte, ob es in
Frauenfeld auch ein Four Seasons gab, belehrte mich mein Bruder, dass man bei
einem solchen Anlass per Zelt hinpilgert. Selbstverständlich war mir dies schon
klar, doch dass man auch noch in den Zelten übernachtet war mir völlig neu. Ich
dachte die Leute lagern dort einfach ihre Kühlboxen mit dem Bier und dem
Fleisch, wohnten aber alle in Suiten irgendwo in der Nähe mit Blick auf einen
Berg, einen See, ne Tanne oder sonst irgendwas, das die Zimmerpreise
lächerlicherweise verdoppelt. Weit gefehlt. Es stellte sich heraus, dass man in
diesen Dingern tatsächlich auch schlafen konnte.
Nächste Hürde war die
Umgebungsverschiebende Zeitmaschine. Das ist so ne Maschine in die man
reinhockt, und nach ner Weile ist man in einer neuen Umgebung und
ausserdem in die Zukunft gereist. Mein Bruder nennts Auto, ich kenn mich aber
mit diesem Technikkram nicht so aus. Jedenfalls waren beide unsere Boliden
gerade nicht gefechtsbereit, also mussten wir wie früher nachdem man angeblich
spontan und ohne Motiv den Abwasch gemacht hatte, die Mom um das Auto anwinseln.
"Neeeeein, natürlich passiert nichts, was sollte schon passieren???" erwiderten
wir, ziemlich genau 2 Tage bevor auf dem Openair Parkplatz von Frauenfeld 44
Autos wie spritgetränkte Wattenbällchen abfackelten. Doch ob wir in dieser
Flammenhölle unkoordiniert fuchtelnd und "NEEEEIN" schreiend verkohlten, oder ob
wir gemütlich weiterfeierten, ohne dass Moms Auto vom Brand betroffen war, gebe
ich erst am Ende Preis. Ich weiss wie man Spannung schafft.
Durch unsere
umgebungsverschiebende Zeitmaschine sind wir dann 2 Stunden in die Zukunft
gereist und haben uns bei fast 30Grad in Frauenfeld wiedergefunden. Vom
Parkplatz aus fuhren regelmässig Shuttle Busse zum Openair Gelände und wieder
zurück zum Parkplatz - resp zum Krematorium, wie es sich in gewissen Fällen noch
herausstellen sollte.
Der Event ging eigentlich am Freitag los, wir
trudelten (man erinnere sich an die "Stars kommen später" Regel) aber erst am
Samstag ein. Völlig verwirrt am Eingang stehend versuchten wir hilflos auf dem
mitgebrachten Plan auszumachen, wo wir nun dieses Zelt Dings aufstellen mussten.
Doch wie der Zufall wollte, trafen wir auf einen 5er Trupp Frauen, angeführt von
einer kompetent wirkenden Fähnleinführerin, die mir den Plan aus den Händen riss
und danach unfragend fragte, ob sie ihn mal sichten dürfe. Da wir Männer nicht
mal nach dem Weg fragen würden, wenn das Ziel eine Bierfontäne wäre, die von
klitschnassen Frauen in weissen Tshirts hochgepumpt würde, entschlossen wir uns
dem Trupp zu folgen.
Die
Zusammensetzung dieses Frauentrupps war ziemlich aussergewöhnlich. Jede Position
war blendend besetzt: von der Fähleinführerin, zur gutmütigen Mamma bis hin zur
25kg schweren Agroboxerin. Aber etwas fehlte, was uns je länger je mehr
beunruhigte: Gegenseitiges Gezicke, Gemobbe, Gestreite und Gemenstruiere. Denn
ein universal gültiges Naturgesetzt heisst: Befinden sich 3 oder mehr weibliche
Säugetiere zur selben Zeit am selben Ort, werden ganze Zivilisationen
ausgerottet. Uns vor diesem seltsamen Phänomen in acht nehmend, erreichten wir
schliesslich den hintersten Teil des Zeltareals und waren bereit für die nächste
Erniedrigung durch das weibliche Geschlecht: Den Zeltbau.
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| Irgendwie beschlich mich das Gefühl, dass wir
irgendwas falsch gemacht hatten... |
Wtf? Bin ich Ingenieur? Hoch oder Tiefbauzeichner? Warum
gibts das noch nicht per Knopfdruck (Lärm, schnapp, aufblas, "Sir, your Tent is
ready")? Was für ein riesen Gulasch, das wird TAGE dauern, und diese Chicks
werden ja auch keine Hilfe sein, so ungeschickt wie Frauen sind... Naja,
vielleicht hätte ich dies denken statt laut sagen sollen, Fräulein
Fähnleinführerin übernahm jedenfalls flugs die Bauleitung und das Zelt war im Nu
bezugsbereit. Der nächste Schock: Es hatte weder Minibar, noch Internet
Anschluss.
Die Truppe verlangte als Gegenleistung, dass wir ihnen beim
Transportieren des übrigen, sich am Ausgang befindlichen Gepäcks halfen
und waren ganz begeistert, als wir - gentleman like - sofort zusagten. In
Wirklichkeit sahen wir natürlich nur eine Möglichkeit, nackten Oberkörpers
schwere Gegenstände zu heben und so legitim unsere Muckis der Welt zu
präsentieren. Ganz macholike. Nachdem wir die 14.5 Tonnen Material vor den
Mädels lächelnd zum Platz geschleppt und uns im Zelt abseits der Blicke mit
Steroiden und Infusionen vor dem Kollabieren gerettet hatten, war es auch schon
Zeit das Konzertareal aufzusuchen, um Griots Auftritt nicht zu
verpassen.
Als wir aus unserer Ecke Richtung Konzertareal
marschierten, kamen wir je länger je mehr in eine Zone, in der wohl diejenigen
ihre Zelte aufgebaut hatten, die schon vor dem Eingang gezeltet hatten um einen
"guten Platz" zu ergattern. Bloss drehte sich einem dort der Magen fast um. Wie
in einem Sexkino, war das Gebiet von Zeltlern übersäht. Die Zelte waren so Dicht
aneinander, dass ein einzelner Furz drohte eine Massenhysterie auszulösen (ich
sprech jetzt vom Openair, nicht vom Sexkino, obwohl...) Womit wir beim
unfreundlichsten Teil angelangt wären: Dem Geruch. Ja, die "Ersten" wollten die
Ersten sein, aber nach einem Tag war dort nur noch trockenes plattgedrücktes
Gras, weil das ganze Volk hier vorbei ging um zum Konzertareal zu komme
n. Zusätzlich war das Gebiet von WC-Häusschen durchzogen. Wer also vor
seinem Zelt sass wurde konstant von vorbeiziehenden Leuten begafft und sah aus
wie ein typischer Redneck aus nem Ami White-Trash Camping ground. Gekrönt wurde
die gute Lage mit regelmässigen Duftbesuchen von den chemischen Toiletten, die
bei 30 Grad einen sehr lebendigen Mitteilungsdrang kund gaben. Da aber 90%
dieser Zeltgenossenschaft sowieso den ganzen Tag komatös rumlag, störte es sie
wohl weniger.
Das Konzertareal war dann einiges angenehmer. Es war recht
sauber und übersichtlich aufgebaut. Diverse Stände boten diverse Kulinaritäten,
Chinesisch von authentisch chinesisch aussehenden Chinesen (oder Koreaner oder
Japaner oder Thailänder oder Graubündner, was weiss ich), türkisch aussehende
Türken boten türkisch aussehende Türkenmenüs und überhaupt nicht wie Cowboys
aussehende Amis boten Cheesburger + Fritten an.

Zuerst gingen mein Bruder und ich also Richtung Griot
Konzert und kamen genau beim Startschuss an. Eine Stunde später krochen wir
wieder völlig erschöpft raus und waren uns einig: Jeder Rappen des Eintritts
hatte sich bereits gelohnt! Grandios! Danach erinnerten wir uns daran, dass wir
ja dank Griot keinen Rappen bezahlt hatten und beschlossen das Kompliment noch
umzuformulieren, bevor wir es Griot überbrachten.
Zufälligerweise trafen
wir wieder auf die Ladyzeltcrew, die sich auf dem Weg zum "Fluss" befand. Schon
nur vom Gedanken abgekühlt, holten wir ebenfalls unsere Badesachen und machten
uns auf zur Thur.
| Kleiner Geographie
Lern-Fact: Die Thur ist ein Fluss, der von seinem Ursprungsort quer durch
diverse Orte oder Landschaften oder so verläuft und irgendwo in etwas
mündet... ich nehme mal an in
Mineralflaschen. |
Dort angekommen, natürlich ohne Badetücher, waren wir wieder mal auf
die weise Voraussicht und unendliche Güte unseres Nachbarclans angewiesen. Womit
klar war, dass es bestimmt noch mehr zu schleppen geben würde. Wir bruten
(Neudeutsche Vergangenheit von "braten") uns ne Weile an der Sonne und liessen
uns dann vom allgemeinen "Kommt wir kühlen uns im Fluss ab" Trend mitreissen. Im
Nachhinein vermute ich, dass die Zeltladycrew Wetten abgeschlossen hatten, wie
klein unsere Muskatnüsse werden würden, wenn wir mal den 1. Fuss in die Thur
gesetzt hätten. Ich werde diesen seelisch sehr schmerzhaften Teil nicht näher
kommentieren, aber einfach mal betonen, dass der Fluss wahrscheinlich bei
Stillstand sofort zugefroren wäre. Oder, dass mein Bruder und ich kleine Mädchen
sind. Und dass unsere Geschlechtsaggregate auch grössenmässig an die von kleinen
Mädchen erinnerte.
Ein weiteres
seltsames Ereignis ereignete sich am ereignisvollen Platz auf der Wiese, wo wir
uns zwischen weiteren grinsenden Frauen und Männern mit Schrumpfköpfen im
Genitalbereich niederliessen (äh, wir liessen uns auf der Wiese - nicht auf dem
Genitalbereich nieder, nur um das klarzustellen). Und zwar tauchte irgend so ne
Töhle von Typ auf, der mit 2 Mädels unterwegs zur Eierverkleinerung war.
Jedenfalls fragte er unseren Kreis, ob er seine Wertgegenstände bei uns
deponieren könne. Ich lachte, weil es meiner Meinung nach ein Witz sein musste,
ich meine hey, wir waren insgesamt 3 Mischlinge, und wir wissen ja wie sehr man
solchen Leuten trauen kann. Doch ihm wars ernst, also deponierte er für alle
deutlich sichtbar sein bisschen Kohle und - tataaaa - seinen Kondom. Wer tut
sowas? Naja, die Frauenrunde tauschte Blicke, und mein Bruder und ich dachten
wohl: Geiler Move, Du Saukerl!
2 Minuten später kam er zurück, alleine,
und mit den Eiern war offenbar auch sein Selbstbewusstsein geschrumpft.
Jedenfalls begann er was vorzuheulen, dass die eine von seinen Mädels eine
wunderbare Frau wäre, aber arrogant und und und... bis sie endlich
aufkreuzte. Anmutig stampfte sie über den Rasen, Ihr "Badekleid" durchsichtig
und stilvoll ihr rasiertes "I" präsentierend, das wohl von jemandem verbrochen
war, die nicht wusste wie man "I" schreibt. Ich beschloss der armen Töhle unter
die Arme zu greifen und das heranstampfende Vieh gleich mal vom hohen Ross zu
holen und schrie quer über die Wiese "HEY, IST DAS TEIL DA RASIERT ODER
TÄTOWIERT???". Aus irgendeinem Grund konnte sie diese Abfolge von Worten im Hirn
nicht prozessieren und somit auch nicht wahrnehmen. "HEY WAS LÄUFT, WIE
GEHTS?!!!" flüsterte sie uns zu und erschreckte die Piloten der Boing 747, der
grad unsere Wiese überflog, "SAUGEIL WAS HAHAHA*OINK*HAHAHA*OINK*!". Sie war
allen sofort sympathisch, und wir hätten bestimmt alle unsere Sympathie zum
Ausdruck gebracht, wenns irgendwo in der Nähe einen Haufen Backsteine oder
abgebrochnen Flaschen gehabt hätte.
Aus unerklärlichem Grund liess sich
die dämliche Ziege bei uns nieder und fühlte sich augenblicklich sauwohl. Sie
hatte allgemein was von ner Sau... ihre Form, ihre Ausstrahlung, ihr Lachen und
natürlich ihre Fresse. Sie suhlte sich jedenfalls auf unserem Platz, gab wild
Informationen von sich, die keinen interessierte und kam ihrem Schicksal als
Wurst zu enden mit jeder Sekunde näher. Doch dann passierte es: Die Töhle wurde
irgendwie beleidigt, weil er von der Sau links liegen gelassen wurde. Also
begann er seine Sachen zu sammeln. "WO GEHST DU DENN HIN" schrie die Sau zur
Töhle, als ob er ein Hörgerät ohne Batterie an hätte "Ich mach nen Abgang",
erwiederte die Töhle zur Sau. Dann hielt eine unserer Mädels den Kondom in die
Luft und meinte grinsend: "Ah, dann brauchst Du den ja nicht mehr?". Als wir uns
alle nach dem Lachanfall wieder einigermassen unter Kontrolle hatten, waren die
Sau und die Töhle weg. Quasi einen SauHund weniger.
Nun,
man beschloss zu den Zelten zurückzukehren und mal an das Nachtessen zu denken.
Der aufmerksame Leser wird längst gemerkt haben, dass es nun wieder höchste Zeit
für eine männliche Demütigung ist, die auch sogleich folgen sollte. Bei den
stoffigen Unterkünften angekommen, begannen die Frauen aus den 14.5 Tonnen
Gepäck diverse Kühltaschen mit Nahrung und Getränk zu produzieren. Mein Bruder
und ich standen da, verfolgten das Ganze mit ungläubigen Augen und machten uns
daran, unsere Einkäufe auszupacken und zu präsentieren:
3 Büchsen
Bier
1 Flasche Wasser (halb leer. Ja nicht halbvoll, ich hab
nachgesehen)
1 Mars Riegel
Thats it. Noch während wir nachdachten wie
peinlich dieser Moment wirklich ist, kam aus der Frauenrunde: "Champus?" und wir
bekamen Champagner, fachgerecht in champagnerglasförmigen Wegwerfgläsern... dazu
wurden diverse Snacks aufgestellt und andere Kulinarische Goodies präsentiert,
die wir seit wir daheim ausgezogen sind nie mehr gesehen hatten (sprich: Die es
nicht auf der Karte vom McDonalds gibt).
Zuerst hatten wir ein schlechtes
Gewissen, doch nachdem wir den Champus schneller als der Tsunami ein
Schlauchboot gekippt hatten, war das mit dem Gewissen wieder unter Kontrolle.
Später wurde köstlich grilliert und fürstlich gespiesen - mein Zelt-Stereotyp
hatte noch immer volll versagt.
Schliesslich wurde es Zeit für die
Konzerte des Abends, denn u.a. standen Prodigy auf dem Programm. Naja, kurzum:
Wir verwandelten uns zu fussball Fans und wurden meinem Zelt-Stereotypen
wenigstens kurzweilig gerecht. Am nächsten Tag war gemütliche Hangtime in der
Fläche zwischen unseren Zelten (von der Zeltladycrew dramatisch "Lounge"
genannt) angesagt und am Nachmittag noch weitere Konzertbesuche und
Juwelkühlaktionen auf dem Plan.
Gegen Abend musste aber auch diese
Geschichte enden, weil sie sonst einfach zu lang zu lesen würde. Drum schlug ich
vor, dass wir uns noch vor dem übernächsten Satz vom Acker machten. Also machten
wir uns noch in diesem Satz vom Acker, nachdem wir die nun noch 13.5 Tonnen
abgebaut und zusammengeräumt hatten. Wir verabschiedeten uns schliesslich von
der Zeltlounge Crew, ohne die wir wohl am ersten Tag entweder irgendwo verloren
gegangen, verdurstet und verhungert, oder Nachts auf dem noch sich im Sack
befindlichen Zelt erforen wären. Wir hockten uns in Moms Auto und... damn! Jetzt
hab ich die Pointe versaut.
Ok ja, Moms Auto war NICHT ein Brikett, wie
wir aber erst ganz am Schluss erfuhren, Mom aber dennoch schon ein paar Stunden
davor per SMS beruhigten, dass alles in bester Ordnung wäre (ich weiss Du liest
das Mom... sorry! Es war der Bruder! Er hat mich gezwingt! Er hat mir so Angst
eingejagt, dass ich nicht mal mehr die korrekte Vergangenheit von "zwingen"
bilden kann!)
All in all wars ein Weekend mit 13.5 Punkten auf der 14.1
Punkteskala, die in meiner eigenen kleinen Welt üblich ist. Nächstes Jahr
wieder! Aber dann mit Minibar.
-DJ-
