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-DJ- does Openair 02.08.2007 @ 10:16
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-DJ- does Openair


Es gibt zwei Dinge von denen ich nichts wissen will:

1) Ganz viele Dinge
2) Events an denen man wie ein Brathähnchen im eigenen Saft schmort und bei denen die Highlights in Form einer Wasserfront aus England mit 5° Celsius auf einen niederprasselt.

Das Erste ist allgemein bekannt, das Zweite, richtig, sind Openair Events.

Trotzdem kam es eines Donnerstags so, dass ich mit einer berühmt berüchtigten schweizer berüchtigten Berühmtheit am mailen war und angeboten bekam, doch ans Openair in Frauenfeld zu kommen. Toll, dachte ich, sturzbetrunken im Delirium mit xtausend anderen rumgröhlen und sich wie Idioten aufführen, muss das sein? Nicht unbedingt, also beschloss ich statt an einen Fussball Match, doch ans Openair zu gehen.

Ein Zelt nach meinem Geschmack.

Da die besagte Berühmtheit, Griot, gleich zwei Tickets rüberwachsen liess, fragte ich noch meinen Bruder, ob er mich auf meiner inquisitiven Journalistenreise begleiten möchte. Augenblicklich das Potential mich in die Scheisse zu reiten erkennend, sagte er sofort zu. Womit wir bei der nächsten Frage waren: Unterkunft. Während ich bereits nachdachte, ob es in Frauenfeld auch ein Four Seasons gab, belehrte mich mein Bruder, dass man bei einem solchen Anlass per Zelt hinpilgert. Selbstverständlich war mir dies schon klar, doch dass man auch noch in den Zelten übernachtet war mir völlig neu. Ich dachte die Leute lagern dort einfach ihre Kühlboxen mit dem Bier und dem Fleisch, wohnten aber alle in Suiten irgendwo in der Nähe mit Blick auf einen Berg, einen See, ne Tanne oder sonst irgendwas, das die Zimmerpreise lächerlicherweise verdoppelt. Weit gefehlt. Es stellte sich heraus, dass man in diesen Dingern tatsächlich auch schlafen konnte.

Nächste Hürde war die Umgebungsverschiebende Zeitmaschine. Das ist so ne Maschine in die man reinhockt, und nach ner Weile ist man in einer neuen Umgebung und ausserdem in die Zukunft gereist. Mein Bruder nennts Auto, ich kenn mich aber mit diesem Technikkram nicht so aus. Jedenfalls waren beide unsere Boliden gerade nicht gefechtsbereit, also mussten wir wie früher nachdem man angeblich spontan und ohne Motiv den Abwasch gemacht hatte, die Mom um das Auto anwinseln. "Neeeeein, natürlich passiert nichts, was sollte schon passieren???" erwiderten wir, ziemlich genau 2 Tage bevor auf dem Openair Parkplatz von Frauenfeld 44 Autos wie spritgetränkte Wattenbällchen abfackelten. Doch ob wir in dieser Flammenhölle unkoordiniert fuchtelnd und "NEEEEIN" schreiend verkohlten, oder ob wir gemütlich weiterfeierten, ohne dass Moms Auto vom Brand betroffen war, gebe ich erst am Ende Preis. Ich weiss wie man Spannung schafft.

Durch unsere umgebungsverschiebende Zeitmaschine sind wir dann 2 Stunden in die Zukunft gereist und haben uns bei fast 30Grad in Frauenfeld wiedergefunden. Vom Parkplatz aus fuhren regelmässig Shuttle Busse zum Openair Gelände und wieder zurück zum Parkplatz - resp zum Krematorium, wie es sich in gewissen Fällen noch herausstellen sollte.

Der Event ging eigentlich am Freitag los, wir trudelten (man erinnere sich an die "Stars kommen später" Regel) aber erst am Samstag ein. Völlig verwirrt am Eingang stehend versuchten wir hilflos auf dem mitgebrachten Plan auszumachen, wo wir nun dieses Zelt Dings aufstellen mussten. Doch wie der Zufall wollte, trafen wir auf einen 5er Trupp Frauen, angeführt von einer kompetent wirkenden Fähnleinführerin, die mir den Plan aus den Händen riss und danach unfragend fragte, ob sie ihn mal sichten dürfe. Da wir Männer nicht mal nach dem Weg fragen würden, wenn das Ziel eine Bierfontäne wäre, die von klitschnassen Frauen in weissen Tshirts hochgepumpt würde, entschlossen wir uns dem Trupp zu folgen.

Die Zusammensetzung dieses Frauentrupps war ziemlich aussergewöhnlich. Jede Position war blendend besetzt: von der Fähleinführerin, zur gutmütigen Mamma bis hin zur 25kg schweren Agroboxerin. Aber etwas fehlte, was uns je länger je mehr beunruhigte: Gegenseitiges Gezicke, Gemobbe, Gestreite und Gemenstruiere. Denn ein universal gültiges Naturgesetzt heisst: Befinden sich 3 oder mehr weibliche Säugetiere zur selben Zeit am selben Ort, werden ganze Zivilisationen ausgerottet. Uns vor diesem seltsamen Phänomen in acht nehmend, erreichten wir schliesslich den hintersten Teil des Zeltareals und waren bereit für die nächste Erniedrigung durch das weibliche Geschlecht: Den Zeltbau.

Irgendwie beschlich mich das Gefühl, dass wir irgendwas falsch gemacht hatten...

Wtf? Bin ich Ingenieur? Hoch oder Tiefbauzeichner? Warum gibts das noch nicht per Knopfdruck (Lärm, schnapp, aufblas, "Sir, your Tent is ready")? Was für ein riesen Gulasch, das wird TAGE dauern, und diese Chicks werden ja auch keine Hilfe sein, so ungeschickt wie Frauen sind... Naja, vielleicht hätte ich dies denken statt laut sagen sollen, Fräulein Fähnleinführerin übernahm jedenfalls flugs die Bauleitung und das Zelt war im Nu bezugsbereit. Der nächste Schock: Es hatte weder Minibar, noch Internet Anschluss.

Die Truppe verlangte als Gegenleistung, dass wir ihnen beim Transportieren des übrigen, sich am Ausgang befindlichen Gepäcks halfen und waren ganz begeistert, als wir - gentleman like - sofort zusagten. In Wirklichkeit sahen wir natürlich nur eine Möglichkeit, nackten Oberkörpers schwere Gegenstände zu heben und so legitim unsere Muckis der Welt zu präsentieren. Ganz macholike. Nachdem wir die 14.5 Tonnen Material vor den Mädels lächelnd zum Platz geschleppt und uns im Zelt abseits der Blicke mit Steroiden und Infusionen vor dem Kollabieren gerettet hatten, war es auch schon Zeit das Konzertareal aufzusuchen, um Griots Auftritt nicht zu verpassen.

Als wir aus unserer Ecke Richtung Konzertareal marschierten, kamen wir je länger je mehr in eine Zone, in der wohl diejenigen ihre Zelte aufgebaut hatten, die schon vor dem Eingang gezeltet hatten um einen "guten Platz" zu ergattern. Bloss drehte sich einem dort der Magen fast um. Wie in einem Sexkino, war das Gebiet von Zeltlern übersäht. Die Zelte waren so Dicht aneinander, dass ein einzelner Furz drohte eine Massenhysterie auszulösen (ich sprech jetzt vom Openair, nicht vom Sexkino, obwohl...) Womit wir beim unfreundlichsten Teil angelangt wären: Dem Geruch. Ja, die "Ersten" wollten die Ersten sein, aber nach einem Tag war dort nur noch trockenes plattgedrücktes Gras, weil das ganze Volk hier vorbei ging um zum Konzertareal zu kommen. Zusätzlich war das Gebiet von WC-Häusschen durchzogen. Wer also vor seinem Zelt sass wurde konstant von vorbeiziehenden Leuten begafft und sah aus wie ein typischer Redneck aus nem Ami White-Trash Camping ground. Gekrönt wurde die gute Lage mit regelmässigen Duftbesuchen von den chemischen Toiletten, die bei 30 Grad einen sehr lebendigen Mitteilungsdrang kund gaben. Da aber 90% dieser Zeltgenossenschaft sowieso den ganzen Tag komatös rumlag, störte es sie wohl weniger.

Das Konzertareal war dann einiges angenehmer. Es war recht sauber und übersichtlich aufgebaut. Diverse Stände boten diverse Kulinaritäten, Chinesisch von authentisch chinesisch aussehenden Chinesen (oder Koreaner oder Japaner oder Thailänder oder Graubündner, was weiss ich), türkisch aussehende Türken boten türkisch aussehende Türkenmenüs und überhaupt nicht wie Cowboys aussehende Amis boten Cheesburger + Fritten an.

Zuerst gingen mein Bruder und ich also Richtung Griot Konzert und kamen genau beim Startschuss an. Eine Stunde später krochen wir wieder völlig erschöpft raus und waren uns einig: Jeder Rappen des Eintritts hatte sich bereits gelohnt! Grandios! Danach erinnerten wir uns daran, dass wir ja dank Griot keinen Rappen bezahlt hatten und beschlossen das Kompliment noch umzuformulieren, bevor wir es Griot überbrachten.

Zufälligerweise trafen wir wieder auf die Ladyzeltcrew, die sich auf dem Weg zum "Fluss" befand. Schon nur vom Gedanken abgekühlt, holten wir ebenfalls unsere Badesachen und machten uns auf zur Thur.

Kleiner Geographie Lern-Fact: Die Thur ist ein Fluss, der von seinem Ursprungsort quer durch diverse Orte oder Landschaften oder so verläuft und irgendwo in etwas mündet... ich nehme mal an in Mineralflaschen.


Dort angekommen, natürlich ohne Badetücher, waren wir wieder mal auf die weise Voraussicht und unendliche Güte unseres Nachbarclans angewiesen. Womit klar war, dass es bestimmt noch mehr zu schleppen geben würde. Wir bruten (Neudeutsche Vergangenheit von "braten") uns ne Weile an der Sonne und liessen uns dann vom allgemeinen "Kommt wir kühlen uns im Fluss ab" Trend mitreissen. Im Nachhinein vermute ich, dass die Zeltladycrew Wetten abgeschlossen hatten, wie klein unsere Muskatnüsse werden würden, wenn wir mal den 1. Fuss in die Thur gesetzt hätten. Ich werde diesen seelisch sehr schmerzhaften Teil nicht näher kommentieren, aber einfach mal betonen, dass der Fluss wahrscheinlich bei Stillstand sofort zugefroren wäre. Oder, dass mein Bruder und ich kleine Mädchen sind. Und dass unsere Geschlechtsaggregate auch grössenmässig an die von kleinen Mädchen erinnerte.

Ein weiteres seltsames Ereignis ereignete sich am ereignisvollen Platz auf der Wiese, wo wir uns zwischen weiteren grinsenden Frauen und Männern mit Schrumpfköpfen im Genitalbereich niederliessen (äh, wir liessen uns auf der Wiese - nicht auf dem Genitalbereich nieder, nur um das klarzustellen). Und zwar tauchte irgend so ne Töhle von Typ auf, der mit 2 Mädels unterwegs zur Eierverkleinerung war. Jedenfalls fragte er unseren Kreis, ob er seine Wertgegenstände bei uns deponieren könne. Ich lachte, weil es meiner Meinung nach ein Witz sein musste, ich meine hey, wir waren insgesamt 3 Mischlinge, und wir wissen ja wie sehr man solchen Leuten trauen kann. Doch ihm wars ernst, also deponierte er für alle deutlich sichtbar sein bisschen Kohle und - tataaaa - seinen Kondom. Wer tut sowas? Naja, die Frauenrunde tauschte Blicke, und mein Bruder und ich dachten wohl: Geiler Move, Du Saukerl!

2 Minuten später kam er zurück, alleine, und mit den Eiern war offenbar auch sein Selbstbewusstsein geschrumpft. Jedenfalls begann er was vorzuheulen, dass die eine von seinen Mädels eine wunderbare Frau wäre, aber arrogant und und und... bis sie endlich aufkreuzte. Anmutig stampfte sie über den Rasen, Ihr "Badekleid" durchsichtig und stilvoll ihr rasiertes "I" präsentierend, das wohl von jemandem verbrochen war, die nicht wusste wie man "I" schreibt. Ich beschloss der armen Töhle unter die Arme zu greifen und das heranstampfende Vieh gleich mal vom hohen Ross zu holen und schrie quer über die Wiese "HEY, IST DAS TEIL DA RASIERT ODER TÄTOWIERT???". Aus irgendeinem Grund konnte sie diese Abfolge von Worten im Hirn nicht prozessieren und somit auch nicht wahrnehmen. "HEY WAS LÄUFT, WIE GEHTS?!!!" flüsterte sie uns zu und erschreckte die Piloten der Boing 747, der grad unsere Wiese überflog, "SAUGEIL WAS HAHAHA*OINK*HAHAHA*OINK*!". Sie war allen sofort sympathisch, und wir hätten bestimmt alle unsere Sympathie zum Ausdruck gebracht, wenns irgendwo in der Nähe einen Haufen Backsteine oder abgebrochnen Flaschen gehabt hätte.

Aus unerklärlichem Grund liess sich die dämliche Ziege bei uns nieder und fühlte sich augenblicklich sauwohl. Sie hatte allgemein was von ner Sau... ihre Form, ihre Ausstrahlung, ihr Lachen und natürlich ihre Fresse. Sie suhlte sich jedenfalls auf unserem Platz, gab wild Informationen von sich, die keinen interessierte und kam ihrem Schicksal als Wurst zu enden mit jeder Sekunde näher. Doch dann passierte es: Die Töhle wurde irgendwie beleidigt, weil er von der Sau links liegen gelassen wurde. Also begann er seine Sachen zu sammeln. "WO GEHST DU DENN HIN" schrie die Sau zur Töhle, als ob er ein Hörgerät ohne Batterie an hätte "Ich mach nen Abgang", erwiederte die Töhle zur Sau. Dann hielt eine unserer Mädels den Kondom in die Luft und meinte grinsend: "Ah, dann brauchst Du den ja nicht mehr?". Als wir uns alle nach dem Lachanfall wieder einigermassen unter Kontrolle hatten, waren die Sau und die Töhle weg. Quasi einen SauHund weniger.

Nun, man beschloss zu den Zelten zurückzukehren und mal an das Nachtessen zu denken. Der aufmerksame Leser wird längst gemerkt haben, dass es nun wieder höchste Zeit für eine männliche Demütigung ist, die auch sogleich folgen sollte. Bei den stoffigen Unterkünften angekommen, begannen die Frauen aus den 14.5 Tonnen Gepäck diverse Kühltaschen mit Nahrung und Getränk zu produzieren. Mein Bruder und ich standen da, verfolgten das Ganze mit ungläubigen Augen und machten uns daran, unsere Einkäufe auszupacken und zu präsentieren:

3 Büchsen Bier
1 Flasche Wasser (halb leer. Ja nicht halbvoll, ich hab nachgesehen)
1 Mars Riegel

Thats it. Noch während wir nachdachten wie peinlich dieser Moment wirklich ist, kam aus der Frauenrunde: "Champus?" und wir bekamen Champagner, fachgerecht in champagnerglasförmigen Wegwerfgläsern... dazu wurden diverse Snacks aufgestellt und andere Kulinarische Goodies präsentiert, die wir seit wir daheim ausgezogen sind nie mehr gesehen hatten (sprich: Die es nicht auf der Karte vom McDonalds gibt).

Zuerst hatten wir ein schlechtes Gewissen, doch nachdem wir den Champus schneller als der Tsunami ein Schlauchboot gekippt hatten, war das mit dem Gewissen wieder unter Kontrolle. Später wurde köstlich grilliert und fürstlich gespiesen - mein Zelt-Stereotyp hatte noch immer volll versagt.

Schliesslich wurde es Zeit für die Konzerte des Abends, denn u.a. standen Prodigy auf dem Programm. Naja, kurzum: Wir verwandelten uns zu fussball Fans und wurden meinem Zelt-Stereotypen wenigstens kurzweilig gerecht. Am nächsten Tag war gemütliche Hangtime in der Fläche zwischen unseren Zelten (von der Zeltladycrew dramatisch "Lounge" genannt) angesagt und am Nachmittag noch weitere Konzertbesuche und Juwelkühlaktionen auf dem Plan.

Gegen Abend musste aber auch diese Geschichte enden, weil sie sonst einfach zu lang zu lesen würde. Drum schlug ich vor, dass wir uns noch vor dem übernächsten Satz vom Acker machten. Also machten wir uns noch in diesem Satz vom Acker, nachdem wir die nun noch 13.5 Tonnen abgebaut und zusammengeräumt hatten. Wir verabschiedeten uns schliesslich von der Zeltlounge Crew, ohne die wir wohl am ersten Tag entweder irgendwo verloren gegangen, verdurstet und verhungert, oder Nachts auf dem noch sich im Sack befindlichen Zelt erforen wären. Wir hockten uns in Moms Auto und... damn! Jetzt hab ich die Pointe versaut.

Ok ja, Moms Auto war NICHT ein Brikett, wie wir aber erst ganz am Schluss erfuhren, Mom aber dennoch schon ein paar Stunden davor per SMS beruhigten, dass alles in bester Ordnung wäre (ich weiss Du liest das Mom... sorry! Es war der Bruder! Er hat mich gezwingt! Er hat mir so Angst eingejagt, dass ich nicht mal mehr die korrekte Vergangenheit von "zwingen" bilden kann!)

All in all wars ein Weekend mit 13.5 Punkten auf der 14.1 Punkteskala, die in meiner eigenen kleinen Welt üblich ist. Nächstes Jahr wieder! Aber dann mit Minibar.

-DJ-






Comments
Güldola schreibt:
16.09.2009 @ 20:58
schenk mir ein baby, eins aus Moldavien oder so
 
   
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